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War dein Jahreswechsel auch ein Moment des Innehaltens - ein Atemzug zwischen dem, was war, und dem, was kommen soll? Ich habe mir die klassischen Vorsätze gesteckt: mehr Bewegung, mehr Zeit für mich und die Menschen, die mir wichtig sind. Doch immer häufiger nehme ich einen anderen Wunsch wahr: etwas Sinnvolles tun. Etwas beitragen. Verantwortung übernehmen.
Vielleicht ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines wachsenden Bedürfnisses nach Solidarität - in einer Gesellschaft, in der Chancen weiterhin ungleich verteilt sind.
Ehrenamtliches Engagement ist ein zentraler Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die ehrenamtliche Partizipation in Deutschland bleibt hoch: Laut Statista engagieren sich rund 16,9 Millionen Menschen freiwillig - etwa ein Viertel der Bevölkerung.
Gleichzeitig zeigen langfristige Studien, dass sich die Formen des Engagements verändern. Statt lebenslanger Verpflichtung suchen viele Menschen heute nach zeitlich begrenzten, flexiblen Möglichkeiten, die sich mit Beruf, Care-Arbeit und dem eigenen Leben vereinbaren lassen. Engagement wird situativer, aber nicht weniger relevant.
Was dennoch viele abhält, ist neben Zeitknappheit vor allem Unsicherheit:
“Bin ich gut genug? Habe ich genug Wissen? Kann ich wirklich helfen?”
Die Antwort darauf lautet: Ja.
Untersuchungen zeigen, dass freiwilliges Engagement von vielfältigen Motiven getragen wird. Laut der Plattform ZipDo.co geben 62 Prozent der Menschen an, sich zu engagieren, um anderen zu helfen. 54 Prozent erleben dadurch eine stärkere soziale Vernetzung, und 68 Prozent berichten, dass sie im Ehrenamt neue Fähigkeiten erlernen.
Auch Unternehmen erkennen zunehmend den Wert gesellschaftlicher Verantwortung: Corporate-Volunteering-Programme sind in den letzten Jahren international um etwa 17 Prozent gewachsen. Engagement wird damit nicht nur als moralischer Beitrag, sondern auch als Raum für persönliche und organisationale Entwicklung verstanden.
Bildung wird in Deutschland noch immer häufig als individuelle Leistung interpretiert. Wer scheitert, hat sich angeblich nicht genug angestrengt. Wer aufholt, gilt als Ausnahme. Diese Logik blendet jedoch aus, was empirisch längst belegt ist: Bildungschancen hängen vom sozialen Hintergrund ab.
Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten, aus Familien ohne akademische Erfahrung oder mit prekären Lebenslagen starten mit strukturellen Nachteilen. Nachhilfe - für viele ein entscheidender Faktor schulischen Erfolgs - ist für sie oft schlicht nicht finanzierbar
Ehrenamtliche Lernunterstützung ist kein Ersatz für staatliche Verantwortung. Sie ist ein Ausdruck gelebter Solidarität im Hier und Jetzt. Sie überbrückt Lücken, schafft Beziehung und Vertrauen und stärkt die Selbstwirksamkeit auf beiden Seiten.
Bei Lern-Fair engagierten sich allein im Jahr 2025 über 750 ehrenamtliche Helfer:innen - Menschen, die ihre Zeit nicht aus Pflichtgefühl teilen, sondern aus Überzeugung. Dadurch konnten deutlich mehr Lernstunden angeboten werden. Die Wirkung dieses Engagements zeigt sich dabei nicht nur subjektiv, sondern auch ganz konkret: fast 90 Prozent der unterstützten Schüler:innen berichten bereits nach zwei Monaten von einer Notenverbesserung. 80 Prozent der Schüler:innen fällt es leichter, am Unterricht teilzunehmen.
Was diese Form des Engagements besonders macht, ist Kontinuität: eine Stunde pro Woche, ein fester Termin, eine Beziehung, die wächst. Für viele Schüler:innen ist genau das der Unterschied zwischen Resignation und dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.
👉 über 750 aktive Helfer:innen ermöglichten 2025 deutlich mehr Lernstunden.
👉 Community-Treffen und zielgruppenspezifische Formate stärken Austausch, Wirksamkeit und Vernetzung.
👉 Auch für 2026 ist Lern-Fair wieder auf Ehrenamtmessen und Veranstaltungen präsent, um neue Zeitspender:innen zu erreichen.
Lern-Fair setzt auf klare Strukturen und größtmögliche Flexibilität. Ehrenamtliche entscheiden selbst, wie viele Schüler:innen sie über welchen Zeitraum unterstützen möchten. Die Lernangebote finden digital statt und lassen sich ortsunabhängig umsetzen. Inhalte können individuell gestaltet werden - orientiert an den Bedürfnissen der Lernenden und den eigenen Stärken.
Der Austausch mit anderen Helfer:innen ist Teil des Engagements. In virtuellen Treffen entstehen neue Ideen, gegenseitige Unterstützung und Räume zur persönlichen Weiterentwicklung.
Das Engagement wirkt - konkret und unmittelbar. Ehrenamtliche unterstützen Schüler:innen mit eingeschränktem Zugang zu Bildung oder Lernschwierigkeiten und leisten damit einen spürbaren Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Auf Wunsch wird dieses Engagement durch eine Bescheinigung anerkannt, die auch im beruflichen Kontext genutzt werden kann.
Viele meiner Vorsätze scheiterten, weil sie auf Selbstoptimierung abzielen. Zeit zu spenden ist anders. Es geht nicht um mehr Leistung, sondern um Beziehung. Nicht um Perfektion, sondern um Präsenz.
Vielleicht ist genau das der Vorsatz, der trägt: sich nicht abzuwenden, sondern einzubringen. Nicht alles ändern zu wollen - sondern für jemanden da zu sein.
In einer Gesellschaft, die sich zunehmend fragmentiert, ist solidarisches Engagement kein Nice-to-have. Es ist eine Form demokratischer Praxis. Eine stille, aber wirksame Antwort auf Ungleichheit.
Ehrenamt geht weit über klassische Freiwilligenarbeit hinaus: Es ist gesellschaftliche Teilhabe, gegenseitige Unterstützung und eine Chance, Lebenssinn und Gemeinschaft zu erleben.
Wir suchen nach Helfer:innen, die sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen.