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Unser Podcast zu Bildungsgerechtigkeit startet

Warum wir jetzt darüber sprechen müssen

Zwei Kinder gehen in dieselbe Schule, sitzen im selben Unterricht – und starten trotzdem nicht am selben Punkt. Während das eine nachmittags Unterstützung bekommt, Zugang zu Büchern oder digitalem Lernen hat, muss das andere vieles allein stemmen. Diese Unterschiede sind oft unsichtbar, aber sie prägen, wie leicht oder schwer das Lernen fällt.

Unser Podcast: Perspektiven sichtbar machen

Genau darüber sprechen wir in dem neuen Podcast von Lern-Fair. Wir machen ihn, weil Bildungsgerechtigkeit zwar oft genannt wird, aber viel zu selten wirklich greifbar ist. Weil hinter dem Begriff echte Lebensrealitäten stehen, über die zu wenig gesprochen wird. Und weil wir bei Lern-Fair jeden Tag sehen, wie groß der Bedarf ist  und wie viel sich verändern kann, wenn Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Dieser Podcast soll kein fertige Antworten liefern, sondern Fragen stellen, Perspektiven zusammenbringen und zeigen, was möglich ist. Es geht um Erfahrungen, um Forschung, um Herausforderungen im Bildungssystem und um konkrete Wege, wie Bildung fairer werden kann.

Gleichheit vs. Gerechtigkeit – ein entscheidender Unterschied

In der ersten Folge spricht unser Host Kaiya, die selbst schon von Anfang an bei Lern-Fair dabei ist, mit Kathi, Vorstandsvorsitzende von Lern-Fair und Postdoktorandin im Bereich Digitale Bildung an der Universität Potsdam. Und Kathi macht gleich zu Beginn einen Unterschied klar, der das ganze Thema aufschließt: den zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit.

“Wenn alle Schüler:innen dieselbe Strecke laufen, dieselben Schuhe tragen und am selben Punkt starten, aber manche einen schweren Rucksack auf dem Rücken haben, dann sind gleiche Bedingungen eben keine gleichen Chancen."

Warum Unterschiede schon vor der Schule entstehen

Bildungsgleichheit bedeutet: alle bekommen dasselbe. Bildungsgerechtigkeit bedeutet: alle bekommen das, was sie brauchen. Das klingt simpel, hat aber weitreichende Konsequenzen dafür, wie wir Schule denken. Denn solange alle „Aufgabe 3, Seite 60" aufbekommen, egal ob die Aufgabe zu leicht, zu schwer oder auf einer Sprache verfasst ist, die ein Kind gerade erst lernt, werden Unterschiede nicht kleiner, sondern sie wachsen viel eher.

Und diese Unterschiede beginnen nicht erst in der Schule. Wer zu Hause kein Tablet hat, keine Bücher, keine Eltern, die beim Lernen helfen können, startet schon vor der ersten Schulstunde mit Abstand. Die Forschung ist da eindeutig: bis zu zwei Drittel der Leistungsunterschiede zwischen Schüler:innen lassen sich durch den sozioökonomischen Status der Familie erklären. Das ist kein Naturgesetz, aber es ist der Status quo.

Der Matthäus-Effekt

Besonders hart trifft das, was Kathi mit dem Matthäus-Effekt erklärt: Unterstützung landet oft nicht da, wo sie am dringendsten gebraucht wird, sondern bei denen, die ohnehin schon gut aufgestellt sind. Stipendien, Förderangebote, Nachhilfe. Sie erreicht überdurchschnittlich oft die Kinder, die bereits privilegiert sind. Die Bildungsschere geht so immer weiter auseinander.

Was wirklich hilft? Laut Forschung sind es konkrete, verlässliche Angebote: offene Ganztagsschulen, frühkindliche Förderung, Mentoring und Nachhilfe. Nicht nur wegen der Noten, sondern weil solche Angebote Selbstvertrauen aufbauen, Perspektiven zeigen und schlicht: da sind, wo zu Hause niemand helfen kann. Genau das ist übrigens auch der Ansatz von Lern-Fair.

Jetzt reinhören: Die erste Folge

Die ganze Folge, mit Kathis Erklärungen zum Wheel of Privilege, zum Matthäus-Effekt und zu dem, was Technologie im Klassenzimmer leisten kann, jetzt auf Spotify und anderen Podcast-Plattformen.

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Unser Podcast zu Bildungsgerechtigkeit startet
May 5, 2026

Warum die Zukunft Bildungsgerechtigkeit braucht

Bildung entscheidet darüber, wer mitgestalten darf und wer nicht.

In Deutschland hängt Bildungserfolg nach wie vor zu stark vom sozialen Hintergrund der Eltern ab. Das ist kein Schicksal. Es ist eine politische Entscheidung.

Ungleiche Chancen beginnen früh


Stell dir zwei Kinder vor: beide neugierig, beide lernbereit. Das eine wächst in einem Umfeld auf, in dem Nachhilfe selbstverständlich ist, Bücher im Regal stehen und Eltern beim Lernen unterstützen können. Das andere kämpft sich allein durch den Schulalltag – ohne Rückhalt, ohne zusätzliche Förderung, in einem System, das seine Startbedingungen kaum ausgleicht. Zehn Jahre später liegen ihre Chancen auf Bildung, Beruf und Teilhabe oft weit auseinander.

Bildungsungleichheit ist kein abstraktes Problem. Sie hat konkrete Folgen – für einzelne Lebensläufe und für die Gesellschaft insgesamt. Unentdeckte Potenziale, fehlende Fachkräfte und eine wachsende soziale Spaltung sind direkte Konsequenzen eines Systems, das nicht allen die gleichen Chancen bietet. Was heute im Klassenzimmer passiert, wirkt morgen auf Arbeitsmärkte, demokratische Teilhabe und die gesellschaftliche Stabilität zurück.

Bildung als Infrastruktur der Zukunft

Wir investieren Milliarden in Straßen, digitale Netze und Infrastrukturprojekte – zu Recht. Doch mindestens ebenso entscheidend ist eine Infrastruktur, die oft übersehen wird: Bildung. Eine Infrastruktur, die nicht aus Beton besteht, sondern aus Chancen, Kompetenzen und dem Vertrauen darauf, dass Lernen allen gleichermaßen offensteht.

Gerade digitale Lösungen eröffnen hier neue Möglichkeiten. Gemeinnützige Initiativen wie Lern-Fair zeigen, dass Technologie Bildungsungleichheit nicht verstärken muss – sondern sie gezielt abbauen kann. Wenn Kinder unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familien Zugang zu individueller Förderung erhalten, kann echte Bildungsgerechtigkeit beginnen.

Doch Technologie allein reicht nicht aus. Es braucht auch Haltung, politischen Willen und zivilgesellschaftliches Engagement. Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob wir uns mehr Bildungsgerechtigkeit leisten können – sondern ob wir es uns leisten können, sie weiter aufzuschieben.

Einladung zur Diskussion

Genau an diesen Fragen setzt eine kommende Veranstaltung von Lern-Fair im Rahmen der Berliner Stiftungswoche an. Dort spricht Katharina Bach, Vorstandsvorsitzende des Vereins und Postdoktorandin im Bereich Digitale Bildung an der Universität Potsdam, über die zentrale Bedeutung von Bildungsgerechtigkeit in der Zukunft und in einer zunehmend digitalen Gesellschaft.

  • Datum: 21. April
  • Uhrzeit: 18:00–19:00 Uhr
  • Titel: Warum die Zukunft Bildungsgerechtigkeit braucht

Im Anschluss an den Impuls lädt eine offene Q&A-Session dazu ein, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam über Wege zu einer gerechteren Bildungszukunft zu diskutieren.

Wer sich für die Zukunft unserer Gesellschaft interessiert, sollte Teil dieser Diskussion sein.
Denn eines ist klar: Bildungsgerechtigkeit ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für echte Teilhabe und eine lebenswerte Zukunft für alle.

Jetzt anmelden: über eine kurze Mail an socialmedia@lern-fair.de

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Warum die Zukunft Bildungsgerechtigkeit braucht
May 5, 2026

Nachgefragt bei: Jessica Bentele - UX/UI Designerin

Im Interview erzählt Jessica, was sie bei Lern-Fair macht und welche Superkraft sie gerne hätte.

Neben den vielen freiwilligen Helfer:innen und Ehrenamtlichen gibt es bei Lern-Fair auch ein großartiges Team hauptamtlicher Kolleg:innen. Eine von ihnen ist Jessica, die als UX/UI Designerin 2025 in unserem Tech Team gestartet ist. Im Interview erzählt sie, wofür sie bei Lern-Fair genau zuständig ist, warum ihr Bildungsgerechtigkeit am Herzen liegt und welche Superkraft sie gerne hätte.

Jessica, stelle dich doch bitte kurz vor.

Ich bin Designerin und lebe mit zwei Kindern in Berlin. Vor meiner Zeit bei Lern-Fair war ich lange selbstständig tätig und durfte bereits eine Reihe interessanter und großartiger Projekte umsetzen. Mein Hauptfokus lag lange auf die Bereiche Corporate Design, Magazin- und Buchgestaltung.
Nach einer Erziehungspause hatte ich das Bedürfnis nach Veränderung und habe mein Wissen im digitalen Design nochmal auf neuesten Stand gebracht. Somit bringe ich langjährige Erfahrung im Design und in der Projektarbeit mit zu Lern-Fair und freue mich sehr darüber, wieder Teil eines festen Teams zu sein.

Wofür bist du bei Lern-Fair zuständig?

Als UX/UI Designerin ist es meine Aufgabe, gemeinsam mit dem Tech-Team, die Lern-Fair App stetig weiterzuentwickeln. Es geht darum, Schüler:innen und Helfer:innen die Zusammenarbeit über die App zu erleichtern und neue Funktionen zu integrieren. Manchmal ist es nur ein neuer Button und manchmal sind es viele neue Schritte.

Was gefällt dir an deiner Arbeit bei Lern-Fair?

Erstmal gefällt mir meine Aufgabe an sich. Zudem ist ein großer Bestandteil meiner Arbeit Zuhören und Verstehen. Dann kann ich loslegen. Es ist großartig, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich für eine gute Sache engagieren und sie dabei zu unterstützen. Wenn wir Dinge verbessern, bekommen wir direkte Ergebnisse und meist auch Erfolgserlebnisse für unser Tun. Zudem sind wir ein wirklich tolles Team und pflegen ein wertschätzendes Miteinander.

Warum hast du dich dafür entschieden, dich für Bildungsgerechtigkeit einzusetzen?

Gerechtigkeitssinn ist grundsätzlich in meiner DNA angelegt. Durch meine beiden Schulkinder ist Bildung bei uns zu Hause Alltag. Wir leben in einer sehr diversen Gegend. Dadurch begegne ich den Herausforderungen des Lebens für unterschiedlichste Kinder tagtäglich. Das derzeitige Schulsystem - besonders hier in Berlin - ist nicht nur fragwürdig, sondern komplett überlastet. Der Druck auf die Kinder nimmt zu, die Belastung auf allen Seiten ist immens – und das Bildungssystem ist immer weniger in der Lage, Ungleichheiten entgegenzuwirken. Solange dies der Fall ist, scheint es leider notwendig, sich für Bildungsgerechtigkeit einzusetzen. Nur so können alle Kinder und jungen Erwachsene – unabhängig von der Herkunft – die Chance bekommen, ihren ganz eigenen individuellen Weg zu gehen. Es ist absolut bemerkenswert, was Lern-Fair in nur sechs Jahren auf die Beine gestellt hat. Es freut mich, wenn ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann, Arbeitsabläufe zu vereinfachen, damit noch mehr Schüler unterstützt werden können.

Und zum Schluss noch etwas Persönliches: Wenn du eine Superkraft haben könntest, welche wäre es und warum?

Frieden stiften natürlich. Warum? Naja … was soll ich sagen. Es macht mich traurig daran zu denken, in welcher unsicheren Umgebung Kinder gerade aufwachsen sollen. Oder zu wissen, warum einige unserer Schüler:innen unsere Sprache lernen müssen.

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Nachgefragt bei: Jessica Bentele - UX/UI Designerin