25.11.2022

Wann gilt man als bildungsbenachteiligt?

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Team MĂŒnchenTeam StuttgartTeam Berlin


Du wohnst weder in der Stuttgart, Berlin oder MĂŒnchen,  bist aber interessiert daran, einen Hub in deiner Stadt aufzubauen? Melde dich gerne an team@lern-fair.de und wir unterstĂŒtzen dich dabei!

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Zwei regional fokussierte Förderungen ermöglichen es, die Engagierten fĂŒr den Kraftakt des Hub-Aufbaus in Berlin und Stuttgart auf Minijob-Basis anzustellen. Dies ist durch großzĂŒgige Förderungen durch die Gerl-Stiftung in Berlin sowie vier Stiftungen aus dem Arbeitskreis Bildungschancen des Stuttgarter Stiftungsnetzwerks möglich: der Dieter von Holtzbrinck Stiftung, der Vector Stiftung, der Bauder Stiftung, und der Wolkenputzer Stiftung. Wir danken fĂŒr die Förderungen, welche die Lern-Fair Hubs bald zur RealitĂ€t machen.

Die Bezeichnung “bildungsbenachteiligt” wird sehr gerne in verschiedenen Kontexten verwendet. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Per Definition gelten Gruppen im Bildungssystem als bildungsbenachteiligt, wenn diese eine geringere Möglichkeit haben, ihr Bildungsziel zu erreichen, als eine andere. Meistens bezeichnet man damit die verschiedenen Chancen, die bestimmte Personengruppen aufgrund ihres Geschlechtes oder geringer ausfallender persönlicher, sozialer, finanzieller und kultureller Ressourcen beim Erwerb von Bildung haben

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1. Einer der bedeutendsten Faktoren, die sich auf den Bildungserfolg auswirken, ist der familiĂ€re Hintergrund. So ist zum Beispiel in zahlreichen Studien erwiesen, dass SchĂŒler:innen mit Migrationshintergrund an den deutschen Schulen einen geringeren Erfolg haben als diejenigen ohne. So sind die Noten im Schnitt schlechter, die Schule wird hĂ€ufiger ohne Abschluss verlassen und es muss hĂ€ufiger eine Klasse wiederholt werden. Aber hier mĂŒssen wir genauer hinschauen. Es reicht nicht, einen Migrationshintergrund per se mit schlechteren Chancen in Verbindung zu setzen. Wenn der sozioökonomische Hintergrund der SchĂŒler:innen mit Migrationshintergrund dem ihrer MitschĂŒler:innen entspricht, dann schneiden die SchĂŒler:innen keineswegs schlechter ab. Auch sind SchĂŒler:innen aus Osteuropa und Asien statistisch gesehen in unserem Schulsystem sehr erfolgreich.

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2. Die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung identifiziert vier Faktoren im nationalen Bildungsbericht von 2010 fĂŒr Bildungsbenachteiligung. Wenn mehr als einer dieser Faktoren zutrifft, gilt man als bildungsbenachteiligt: 

  • geringes Einkommen oder Arbeitslosigkeit der Eltern
  • schwierige WohnverhĂ€ltnisse, die ungĂŒnstige Lernumgebungen schaffen
  • Benachteiligungen im Zusammenhang mit MigrationshintergrĂŒnden
  • Aufwachsen bei nur einem Elternteil 

Mehr als jedes vierte Kind in Deutschland (28%) ist von mindestens einer sozialen, kulturellen oder finanziellen Risikolage betroffen, die sich negativ auf den Bildungserfolg auswirken kann. Das hierarchisierende Schulsystem reproduziert schon bestehende Ungerechtigkeiten zusĂ€tzlich, anstatt sie auszugleichen‍

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3. So erhalten beispielsweise Kinder aus sozial schwachen ElternhĂ€usern bei gleicher Leistung seltener eine Übergangsempfehlung fĂŒr einen Bildungsgang, der zum Abitur fĂŒhrt. Auch mit bestandenem Abitur fangen Kinder aus bildungsfernen Haushalten seltener ein Hochschulstudium an. ZusĂ€tzlich findet die Entscheidung fĂŒr einen weiterfĂŒhrenden Schulweg nach der Grundschule (meistens nach 4 Jahren) schon sehr frĂŒh statt. Viele FĂ€higkeiten der SchĂŒler:innen bilden sich aber erst spĂ€ter aus und so werden einige SchĂŒler:innen einer fĂŒr sie unpassenden Schulform zugeordnet, in der sie ihr volles Potential kaum ausschöpfen können. An allen Gelenkstellen des Bildungssystems findet also eine sozial geprĂ€gte Selektion der SchĂŒler:innen statt.

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4. In vielen LĂ€ndern findet die Aufteilung im Bildungssystem spĂ€ter statt. In Schweden ist der Übertritt auf das Gymnasium z.B. erst nach der 10. Klasse, also mit ca. 16 Jahren möglich.

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5. So haben die SchĂŒler:innen lĂ€nger die Möglichkeit, gemeinsam zu lernen und spezialisieren sich erst spĂ€ter, wenn sie mehr Erfahrung haben und ihre StĂ€rken kennen. Auch ein fairer Zugang zu außerschulischen Bildungsangeboten kann helfen, bildungsbenachteiligten SchĂŒler:innen gleiche Chancen zu bieten. Genau dafĂŒr setzen wir uns bei Lern-Fair ein!  

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Möchtest du aktiv etwas gegen Bildungsungerechtigkeit tun? Dann schau doch mal bei Lern-Fair vorbei. Bei uns kannst du auf digitalem Weg bildungsbenachteiligte SchĂŒler:innen beim Lernen unterstĂŒtzen und ihre Chancen auf einen guten Schulabschluss und einen sicheren Job erhöhen.

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Literaturquellen zum Nachlesen: 

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1 Definition Bildungsbenachteiligung: https://dewiki.de/Lexikon/Bildungsbenachteiligung (Stand 19.11.2022)

2  Migrationshintergrund – eine Bildungsbenachteiligung? https://www.fes.de/themenportal-bildung-arbeit-digitalisierung/bildung/artikelseite-bildungsblog/migrationshintergrund-eine-bildungsbenachteiligung (Stand 19.11.2022)

3 Zur Zielgruppe der sogenannten "bildungsbenachteiligten" Jugendlichen https://www.bpb.de/lernen/angebote/planspiele/266236/zur-zielgruppe-der-sogenannten-bildungsbenachteiligten-jugendlichen/ (Stand: 20.11.2022)

4 Wie gerecht ist das Schulsystem? Kinder aus armen Familien werden nach wie vor benachteiligt – ein Debattenbeitrag https://www.news4teachers.de/2019/01/wie-gerecht-ist-das-schulsystem-kinder-aus-armen-familien-werden-nach-wie-vor-benachteiligt-ein-debattenbeitrag/ (Stand: 20.11.2022)

5 Internationale Bildungssysteme https://www.lern-fair.de/blog-posts/internationale-bildungssysteme (Stand 20.11.2022)

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